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Kommentar zu Zensur schadet – *immer* von Dr.Horst-Walter Schwager

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Frage:

Von A. Strömann, 03.03 2002, 19:39:03

Wie ist das eigentlich mit den »Informationen«, die in sich selbst bereits eine Straftat darstellen?
Wie zum Beispiel mit Aufrufen zur Gewalt, mit Verleumdungen, mit Äußerungen, die ethisch mit den Menschenrechten und dem Grundgesetz unvereinbar sind?
Einerseits verbieten wir üble Nachrede, aber andererseits wollen wir ihr das Medium zu Verfügung stellen?
Einerseits wollen wir allen das gleiche Recht auf Meinungsäußerung einräumen, andererseits schaffen wir damit gleichzeitig ein Podium für Leute, die im Gegenzug nicht bereit sind, sich selbst an diese Spielregeln zu halten.
Freiheit ist etwas schönes, aber Freiheit, die nicht sich selbst die Zügel der Ethik und/oder Moral anlegt, sorgt dafür, daß sie von innen heraus untergraben und unterhöhlt wird.
Ich halte es für eine sehr schwierige Gradwanderung, was hier zu leisten ist. Am Beispiel der Gewalt in den Medien zB zeigt sich für mich ganz deutlich, daß der gesetzliche Rahmen aus falsch verstandenem Freiheitsgedanken heraus viel zu lasch gehandhabt wird, was zu einer unkontrollierten Verrohung und Gewöhnung an Brutalität führt, wie sie sonst vermutlich nur zu Kriegszeiten zwangsläufig einsetzt. Wenn heute Menschen auf die brutalste Art masakriert werden, sitzen unsere Jugendlichen (und auch ältere!...) gemütlich popkornfressend davor und bezeichnen das auch noch als »Unterhaltung«. Das gleiche Geschehen im realen Leben soll dann auf einmal schrecklich sein, Mitgefühl auslösen, Empörung über den Täter hervorrufen usw... Ds KANN nicht funktionieren!
Und dieses ist nur ein Beispiel dafür, daß das was ich sehe und höre oder lese immer auch Auswirkungen auf mich hat, die ich im Voraus nicht wissen oder berchnen kann. Die Verleumdung wird möglicherweise niemals aufgeklärt, die ich im internet gelesen habe, die Geschichtsverzerrung bleibt möglicherweise unkorrigiert – aber sie bestimmt mein zukünftiges Handeln.
WIE sollen Desinformationen aus anderen Ländern mit anderen Gesetzen jemals geahndet werden? Wie sollen Menschen erreicht werden mit einer Gegendarstellung wenn einer Lügen verbreitet hat?
Das Internet ist riesig und nach meiner Beobachtung für viele ein »rechtsfreier Raum« in welchem es keine Altersbeschränkungen, Redebeschränkungen, Verkaufsbeschränkungen oder was auch immer für Beschränkungen man sich sonst einfallen lassen mag, gibt. Gibt es dennoch irgendwelche, so gibt es direkt daneben unter dem gleichen Suchwort die Anleitung, wie sie zu umgehen ist.. Damit wird das ganze für mich zu etwas noch gefährlicherem als einem nur rechtsfreien Raum: es wird ein ethikfreier Raum. Ein Raum in dem nichts zählt außer der Machbarkeit, ein Raum der nur begrenzt ist durch die Grenzen der Programmierung und des Datentransfers.
Auch unsere schönen Prinzipien von Informationsfreiheit und Redefreiheit sind aber untrennbar an eine Ethik gekoppelt! An die der Menschenrechte, an die des Grundgesetzes, des Presserechtes, der Gleichheit vor dem Gesetz usw... UND sie sind daran gekoppelt, daß es eine Instanz gibt, die auf die Einhaltung dieser Rechte achtet und Verstöße ahndet. Ansonsten haben wir demnächst nur noch so unglaublich »informative« Beiträge in sämtlichen Foren wie die des Herrn Rund in diesem.. Ich bin einmal gespannt, wie lange es nur an diesem Beispiel dauern wird, bis irgendjemand diese ehrverletzenden Äußerungen überhaupt zur Kenntnis nimmt und einschreitet.. Nach meiner Vermutung sehr lange! Das Recht des Einzelnen auf irgendwelche Betätigungen ist uns nämlich wesentlich heiliger als das Recht des Einzelnen auf Unversehrtheit – und wenns nur die seines guten Rufes ist...
Mag sein, daß es nicht die glorreichste Maßnahme ist, ganze Seiten über den Anbieter zu sperren, aber ehrlich gesagt, dieses Laissez-faire was bis dato läuft, weil man eben einfach gar nirgends im Internet wirklich jemanden zu fassen bekommt, kennen wir EBENFALLS aus der Geschichte! Wären die Aliierten früher auf die Idee gekommen, die »freie Meinungsäußerung« eines Adolf Hitler ernst zu nehmen und darauf zu reagieren, hätte es möglicherweise wesentlich weniger über Einschränkungen der Meinungsfreiheit DURCH Adolf Hitler zu klagen gegeben! Auch damals fing es »ganz harmlos« an.. So harmlos, daß alle gesagt haben »der spinnt doch, darauf fällt doch keiner rein!«...
Denkste...

Statt um die ungezügelte Verbreitung jeglichen durch Gericht geahndeten Mistes zu weinen, wüßte ich lieber, wie bitte Urheber von Mist in diesem Medium zu fassen sein sollen und was man tun kann, damit jemand nicht nur Dinge ins Netz stellen kann, sondern auch dafür die Verantwortung übernehmen muß!

Mit freundlichen Grüßen

A. Strömann





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Kommentare

    Anwort: (Dennis Redtwitz; 12.05 2002, 06:41:59 )


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Siehe auch: Assoziations-Blaster zum Thema Informationsfreiheit
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