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Von Herr Jens Strasdat, 28.02 2002, 00:49:13
Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt.
Dieser Ausspruch passt seit Jahren eben nicht nur zu den rechten Radikalen, von denen man sich so verzweifelt abzugrenzen sucht, sondern trifft auch auf die bundesdeutsche Justiz zu, die am Beispiel des Herrn Jürgen Büssow offenbar nach Grenzerweiterung im Netz der grenzenlosen Freiheit sucht.
Die gute Nachricht:
Die Herren der Bezirksregierung schwimmen im Mainstream. Sie würden gern gleichsam dem Beispiel kleiner Kinder folgen, sich die Augen zu bedecken, um nicht gesehen zu werden um weiterhin nach Missionierung der eigenen Moral über den gesamten Nexus des Netzes zu trachten. Der Grössenwahn liegt in dem wohlmeinenden Ziel, den anderen Kindern ebenfalls die Augen verbinden zu wollen, um das Schreckensgebilde des Marktplatzes aller Schichten (die es sich leisten können) aus der Wahrnehmung der psychohygienisch einwandfreien, deutschen Gesellschaft verbannen zu können. Nun steigt die Anzahl der Internetnutzer endlich soweit an, dass sich der Nimbus des auserlesenen Kreises der akademischen Nutzer langsam auch um unbequeme Personen erweitert, so schallt sogleich der Ruf nach Einschränkung des Blickwinkels derer, die man als erziehungswert und meinungskonform ansieht. Und das sind eben nicht nur minderjährige Kinder, sondern Kollateralschäden bestehend aus gestandenen Demokraten und mündigen Bürgern. Unbequeme Meinungen sollen dem deutschen Publikum weder über Internetadressen noch über Suchmaschinen mehr zugänglich sein. Nun gut.
Schön zu wissen, dass unsere armen, behütungswerten Kinder, die als Rechtfertigung zur Ausübung von Zensur herhalten müssen, ihre Neugier nicht verlieren, sich Dinge anzuschauen, die ihren Horizont mehr erweitern, als es der Vaterfigur Büssow recht ist.
Andere Länder, andere Sitten.
Diese Kernaussage schafft den Einen ein Gefühl der Anerkennung und Toleranz Andersdenkender, den Anderen nur einen verächtlichen Blick auf diejenigen, die den Blick auf die eigene, »perfekte« Welt stören. Wer könnte an so einer Situation ein wirtschaftliches Interesse haben? Abgesehen von den Schäden, die durch zunehmend blinde Staatsbürger entstehen, wird doch die Idee des Internet als globale Kommunikationsplattform untergraben, indem man dem Beispiel Chinas folgt, das sich nicht gerade um die Einhaltung der Menschenrechte verdient gemacht hat, aber ebengleiche Filtersysteme bereits seit Jahren den örtlichen Providern auferlegt.
Man sollte sich die Frage nach dem wirtschaftlichen Interesse nicht vorschnell beantworten. Wer sind denn die Firmen, die Kommunikationsmittel ermöglichen? Sind es nicht diejenigen, die eine entsprechende Kommunikationsstruktur bereitstellen? Offenbar nicht, denn Kommunikation ist durch die aktive Teilnahme lebender Organismen gekennzeichnet. Die Provider scheiden also von einer evt. konstruierten Verantwortungspflicht aus, da sie zwar Strukturen bereitstellen, aber keine Inhalte transportieren, wie es undifferenziert in manchen Medien wiedergegeben wird. Inhalte werden abgerufen, nicht verbreitet. Kommunikation ist aktives Handeln, also Hinschauen auf aktive Inhalte. Droht uns die Wiedereinführung weisser Flecken in der bereits erschlossen geglaubten Landkarte der Demokratie?
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