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Comment on Lieber Genosse Keulert, by Sauron

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Meine Entschuldigung

Von Sauron, 05.01 2003, 13:33:23

Meine Entschuldigung

Ich, der als Sauron in zahlreichen Foren bekannte und geschätzte, weil gefürchtete Schreiber, entschuldige mich hiermit bei allen von mir beleidigten Personen öffentlich in aller Form. Ich bekenne, in allen hier obigen Punkten die Unwahrheit geschrieben zu haben. Sorry, schließlich hatte ich erst Silvester mir ganz fest vorgenommen, immer sachlich und ehrlich zu sein. D.h. zu werden. Also noch mal: Entschuldigung, liebe Freunde und geliebte Feinde!

Ich hatte mich deshalb immer wieder im Ton vergriffen, weil ich oft als „rotlackierter Faschist“ bezeichnet werde. Das ist aber nicht oder nur zum Teil richtig! Ich bin kein rotlackierter Faschist, sondern einfach nur ein einfacher Tschekist, der stets seinen Mann gestanden hat und einfach nur Befehle ausführen musste und das heute auch noch tut. Kommunisten dürfen da schon mal die Unwahrheit schreiben, wenn es unserer großen Sache dient. Trotzdem gelobe ich ab heute Besserung! Versprochen, liebe Genossen, Freunde und meine geliebten Feinde.

Obwohl das mir schwer fallen wird, denn auch die anderen beleidigen mich immer wieder. Ein ganz ganz Böser behauptete wiederholt, ich schliefe dauernd mit Ziegen und hätte dabei einen Stahlhelm auf dem Kopf !!! Das ist nicht richtig. Also das mit dem Stahlhelm. Außerdem ist der Plural falsch, also bei „Ziegen“ hinten dran das „n“. Naja, bevor ich einen Stahlhelm trüge, würde ich eher um Aufnahme in die glorreiche Partei der Arbeiterklasse betteln, was man mir ja auch gelegentlich schon mal unterjubeln wollte. Partei wäre das Letzte, werte Genossen! Mir reicht meine KGB-Vergangenheit. Das kann ich vertragen: Jetzt anderen hier den Moralzeigefinger entgegenstrecken und sich als der ultimativer DDR-Widerstandskämpfer gerieren !!!

Ab heute kämpfe ich mehr denn je gegen die tiefbraunen Lehrer in Thüringen, die ihren tiefbraunen Gedankenmüll permanent auf unsere Jugend loslassen. Liebe Genossen, wir müssen erreichen, daß die Schulbehörden des Freistaates Thüringen bestimmte Leute, vor allem die Tausenden Mitglieder der niedlichen kleinen Partei namens DSU, eben nicht mehr mit der Nachsicht behandeln wie bisher. Daher erwarte ich von allen Tschekisten, dass sie ihren Eid ernst nehmen. Im Ernst, auch von Dir, lieber Ernst.

Zusammenfassung: Ich entschuldige mich für meine vielen ungerechten und unsachlichen Angriffe gegen ehrenwerte Menschen. Vor allem für die vielen Lügen, die ich früher gemacht habe.

Als Zeichen der Wiedergutmachung stelle ich eine Rezension eines von mir mehrfach geleidigten, juristisch anerkannten SED-Opfers, hier in das Forum, die unlängst in der FAZ erschienen ist:



FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

Politische Bücher
Seite 8 / Montag, 25.11.2002

ABSTIMMUNG MIT FÜSSEN / BOTSCHAFTSBESETZUNGEN VOR DEM ZUSAMMENBRUCH DER DDR
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Wolfgang Mayer. Flucht und Ausreise. Botschaftsbesetzungen als wirksame Form des Widerstands und Mittel gegen die politische Verfolgung in der DDR. Anita Tykve Verlag, Berlin 2002. 728 Seiten, 24,90 €.
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Im Westen machten sie damals Schlagzeilen: sieben Männer, sechs Frauen und fünf Kinder aus Ilmenau, die in Ost-Berlin am 9. September 1988 in der Botschaft des Königreichs Dänemark erschienen, um hier für ihre Ausreise aus dem ungeliebten Staat zu demonstrieren. Der Zeitpunkt war genau kalkuliert: Eine offizielle DDR-Visite des dänischen Ministerpräsidenten Poul Schlüter stand bevor. Als sich die „Botschaftsbesetzer" weigerten, das Missionsgebäude wieder zu verlassen, ehe ihnen die Ausreise zugesichert wurde, veranlaßte der dänische Botschafter die Räumung durch DDR Sicherungskräfte. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden die Eindringlinge gegen 2.15 Uhr in das Stasi-Gefängnis Magdalenenstraße in Lichtenberg verbracht, ohne daß sie sich widersetzt hätten. Die Kinder kamen in ein Heim. Die Staatssicherheit, in der Furcht vor Nachahmern, wollte ein drakonisches Exempel statuieren.

Daß es dazu nicht kam, war eine Folge der Furore, die der dänische Botschafter mit seiner rigorosen Vorgehensweise in westlichen Medien auslöste. Entgegen ursprünglichen Absichten wurden die männlichen Akteure am 12. Oktober 1988 vom Stadtbezirksgericht Berlin-Lichtenberg „nur" zu Bewährungsstrafen wegen „Hausfriedensbruchs" und „Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeit" verurteilt und auf freien Fuß gesetzt. Fünf Monate später durften sie mit ihren Familien legal aus der DDR ausreisen. Das Verfahren gegen die „tatbeteiligten" Frauen wurde sogar eingestellt. Internationale Proteste und Honeckers außenpolitische Interessenlage hatten die glimpfliche Lösung möglich gemacht.

„Rädelsführer" der Ilmenauer Botschaftsbesetzer war der Autor des vorliegenden Buches, Jahrgang 1950, Lehrer von Beruf. Wolfgang Mayer hatte sich jahrelang um eine Ausreise aus der DDR bemüht. Zermürbt von den Schikanen, denen er als „Übersiedlungsantragsteller" ausgesetzt gewesen war, hatte er sich mit Gleichgesinnten zur Aktion entschlossen. Botschaftsbesetzung als Widerstand. Nun setzt er sich wissenschaftlich mit der Wechselwirkung von Flucht und Ausreise einerseits, Destabilisierung der DDR andererseits auseinander.

Mayer hat seine Arbeit breit angelegt. Nach einem gerafften Überblick über die innere Entwicklung des SED-Staates unter besonderer Berücksichtigung von Opposition und Widerstand bietet er im zweiten Teil eine faktenreiche Analyse der Flucht und Ausreisebewegung aus der DDR. Die politische Verfolgung Ausreisewilliger durch die Staatssicherheit wird im folgenden Teil thematisiert. Mit besonderer Ausführlichkeit behandelt der Autor danach Botschaftsbesetzungen, die er als „die konsequenteste Form der Bekundung des Ausreisewillens" begreift, wobei er den eigenen Fall als exemplarisch herausarbeitet. Dem fünften Teil über die Eigendynamik der Ausreisebewegung und ihre desaströsen Auswirkungen auf die Herrschaft der SED schließt sich ein knappes Fazit an: „Die Ausreisebewegung als spontane Massenbewegung belegt, wie in der DDR in objektiver Weise Ohnmacht zur Macht und Macht zur Ohnmacht führte."

In der Tat sah sich die Staatssicherheit der in den siebziger Jahren aufkommenden Ausreisebewegung zunehmend hilflos gegenüber. 1975 war in Gestalt der Zentralen Koordinierungsgruppe im MfS mit Koordinierungsgruppen auf Bezirksebene eigens eine fast zweihundert hauptamtliche Mitarbeiter starke Diensteinheit zur Bekämpfung von: „Republikflucht", Fluchthilfe und legaler Übersiedlung geschaffen worden. Vergebens. Die „Abstimmung mit den Füßen" ließ sich nicht unterbinden. Der Autor definiert die Bemühungen um Ausreise als oppositionelles Verhalten in der DDR. Dem ist ebenso zuzustimmen wie seiner Kernthese, daß die Ausreisebewegung wesentlich zum Zusammenbruch des Regimes beigetragen hat. Indes formuliert er politisch stark wertend und vielfach polemisch.

Mayers pointierte Frontstellung gegen „linksorientierte Bürgerrechtler" in der ehemaligen DDR, denen er pauschal den Willen zur deutschen Einheit abspricht, scheint von großer Abstraktheit. Denn auch dem Autor ist die Erkenntnis nicht fremd, daß die Wiedervereinigungsfrage in dem Augenblick auf die Tagesordnung der Geschichte rückte, als die Bevölkerung „drüben" ihr demokratisches Selbstbestimmungsrecht errungen hatte. Die ausreisewilligen Bürger, die ihr Begehren zunehmend öffentlich einforderten, haben die friedliche Revolution der DDR im Herbst '89 genauso provoziert wie die von Bürgerrechtlern entscheidend mitinitiierten Demonstrationen in Leipzig, Dresden oder Ost-Berlin. Das zählt mehr als manche ihrer zeitweiligen Illusionen über die Reformierbarkeit der DDR.
KARL WILHELM FRICKE


MfG Euer über alles geliebter Sauron




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Kommentare

    Ergänzung (CK; 06.11 2006, 01:08:43)
    Sehr gut, Dr.Mayer, Eins, setzen! (Sauron (dem echten); 06.01 2003, 17:02:54 )
    Sehr gut, Dr.Mayer, Eins, setzen! (Sauron (dem echten); 06.01 2003, 17:02:31 )


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