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Von Thomas Schlebusch, 29.03 2002, 13:44:10
Ich halte Zensur für die falsche Lösung des Problems.
Gerade eine Sperrung von Internetseiten trifft die falschen, denn die Gejagten wechseln schneller Rechner und Adressen, als eine Verwaltungsbehörde hinterher kommen kann. Und dann trifft eine Sperrung ganzer Rechner auch die friedliche Kommunikation, blockiert also z.B. alle privaten Homepages bei einem Freespace-Anbieter.
Als sehr gefährlich sehe ich es jedoch an, dass einmal mit der Zensur begonnen, sich diese Praktik ausweitet und auch in anderen Gebieten Einsatz findet. Einerseits können so andere zensierende Staaten (bereits genanntes Beispiel China) dieses System einsetzten, aber die Bundesrepublik Deutschland könnte sich auch dazu verleitet fühlen, z.B. Internetseiten, die gegen Atomkraft wettern zu schließen. Ein Argument könnte schließlich Voksverhetzung o.ä. sein.
Und gerade an diesem Punkt sehe ich die Meinungsbildung der Bevölkerung gefährdet. Wenn ich nicht mehr alle Seiten einer Medaille zu Gesicht bekomme, wie soll ich mir da meine eigene Meinung bilden? Ich muss zwangsläufig Vater Staat hinterhertrotten und die weit verbreitete Meinung annehmen.
Dann reicht uns auch nur ein staatlicher Fernsehsender, eine staatliche Zeitung und willkommen im Zensurzeitalter!
Zensur ist das Schlimmste, was der Gesellschaft passieren kann.
Gesellschaftliche Probleme werden dadurch erst geboren; eine Bekämpfung derselben muss durch Aufklärung und der aktiven Auseinandersetung mit der Problematik erzielt werden.
An unserer Schule wurden im sozialwissenschaftlichen Unterricht gemeinsam rechtsradikale Webseiten besucht und gemeinsam über die dort vertretenen Meinungen und Ideale diskutiert.
Die erste Reaktion der Schüler war »Ey, guck mal! Haha! Cool«, bei der näheren Auseinandersetzung mit dem Thema war sich die ganze Klasse aber einig: Mann, sind die Kurzsichtig. Die machen sich doch selbst kaputt. Oder: Ich würde doch auch nicht wollen, dass andere so mit mir umgehen. Nach der Unterrichtsreihe ist den Jugendlichen der gesamte Reiz dieses ungewohnten, verbotenen und daher anziehenden Themas genommen worden. Selbst Pro-Rechtsradikal eingestellte Schüler änderten ihre Meinung, weil sie angeblich das ein oder andere nicht gesehen hatten. Insofern hat gerade der Besuch rechtsradikaler Websites zum Sinne der Meinungsbildung zu einer erfolgreichen Lösung der Problematik geführt.
Also: Nicht verstecken, sondern an den Mann/die Frau bringen!
Ich vertrete die Meinung, dass Aufklärung zur Rechtsradikalenproblematik falsch oder nicht gut genug betrieben wird.
Dem Schüler vorzusetzen »Das ist falsch« bringt nichts, der Schüler muss durch gute Lehrer (naja, laut Pisa kann ich dann ja wohl in Deutschland lange suchen) eine Hilfestellung bekommen, um sich über das Thema zu informieren und für sich zu dem Schluss kommen, dass Rechtsradikalismus keine Lösung, sondern selber ein zu vermeidendes Problem ist.
Ein Lösungsvorschlag wäre eine Comicreihe für Schülerzeitungen, die den Rechtsradikalismus so darstellt, wie er ist (Ideale, Gedanken, Organisation, Taten) und als Fazit den Schluss ermöglicht: »Boar, sind die blöde!«.
Als Redakteur weiß ich selber, dass Schülerzeitungen über Comics glücklich sind, denn gute Zeichner sind schwer zu finden. Und wenn der Comic dann auch noch einen guten Zweck erfüllt und spannend ist, stehen der Aufklärung Tür und Tor offen.
Also: Die Neugierde der Jugend nach Rechtsradikalismus befriedigen und dadurch dem Thema den Wind aus den Segeln nehmen!
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