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Kommentar zur Erklärung zur Informationsfreiheit

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Niemand braucht eine Internet-Zensur

Von Moritz Naumann, 26.03 2002, 16:08:40

Es geht bei der hier angesprochenen Thematik nicht nur um die – für technisch unversierte unumgängliche -Sperrung einzelner Websites. Es geht vielmehr um das generelle Problem der Zensur des Internets.

Ich bin ein Verfechter der Theorie, nach der das Internet selbstregulative Kraft besitzt. Ich bin gänzlich und entschieden gegen eine Zensur des Internets, vielmehr für die vollständige Meinungsfreiheit. Es existieren viele Internet-Initiativen, gegründet durch Online-Veterane und auch linksliberale Volksvertretern und Organisationen, die diese Ansicht teilen und unterstützen.

Der dahinter stehende Gedanke ist, dass eine Zensur des Internets gleizeitig eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und damit einen tiefen Einschnitt in zwei der wichtigsten Grundrechte eines jeden Menschen bedeutet: die Freiheit der Meinungsäusserung, aber auch die freiheit auf ungefilterte Information. Dass diese Einstellung auch bedeutet, dass z.B. menschenfeindliche, rassistische oder – nach meiner subjektiven Ansicht unmoralische – Websites nicht geschlossen oder ausgefiltert werden können, wird dabei als notwendiges Übel betrachtet. Das Internet ist das letzte Medium, dessen Inhalte – zumindest noch nicht global – gesetzlich reguliert oder staatlich zensiert sind. Weiterhin bietet es für jeden die Möglichkeit, seine Meinung bei geringen eigenen Kosten zu verbreiten. Das ist ein wichtiger und schützenswerter Umstand, wie ich denke.

Abgesehen davon würde eine Zensur des Internets sowieso niemals erfolgreich sein, da dies weder durch den Einsatz technischer Mittel wie Filtermechanismen, noch durch Menschenhand gewährleistet werden kann.

So ist es meines Wissens weder möglich, eine Technik zu produzieren, die eine erfolgreiche Zensur durchführt (z.B. kann man nicht – unter dem Vorsatz Kinder zu schützen – sämtliche Seiten sperren, die das Wort 'Sex' enthalten, da damit nicht nur Sites mit pornografischen Inhalten gesperrt würden, sondern auch alle Seiten, die sich inhaltlich der sexuellen Aufklärung oder auch ganz anderen Themen widmen (der engl. Begriff 'sex' bedeutet gleichzeitig 'Sexualität', aber auch 'Geschlecht')), noch ist es möglich, diese Zensur durch Menschen durchführen zu lassen.

Letzteres ist einerseits deshalb nicht machbar, weil erstens kein fairer Zensur-Kodex entwickelt werden kann, der ein weltweit gemeinsames moralisches Verständis widerspiegelt, da die Moralvorstellungen viel zu stark divergieren. Andererseits ist es nicht möglich, eine von Menschen gemachte Zensur durchzuführen, weil die damit notwendig verbundene Pflege viel zu aufwändig ist und neue Websites täglich aus dem Nichts entstehen. Man könnte diese Entwicklung also gar nicht vollständig kontrollieren, selbst wenn man es wollte.

Eine Zensur des Internets, ob nun mit technischen Mitteln oder von Menschen durchgeführt, müsste weiterhin auf einer globalen Rechtssprechung fußen. Und von der sind wir noch Jahrhunderte entfernt, falls es sie überhaupt einmal geben wird. Selbst eine europäische Verfassung wird wohl noch mindestens 50 bis 100 Jahre auf sich warten lassen, sofern sie überhaupt einmal entsteht, vermuten Politologen.

Es macht also vielmehr Sinn, auf eine selbstregulierende Kraft im Internet zu setzen. Das bedeutet, dass Websites großen Zulauf haben werden, die eine gute Redaktion bieten können und Inhalte zusammentragen, die den Wertevorstellungen einzelner Gruppierungen, die gegenüber anderen eine Mehrheit bilden, entsprechen.

Gleichzeitig muss es auch Subkulturen und Minderheiten möglich sein, sich im Internet frei zu äussern. Dazu gehören sowohl linkspolitisch als auch rechtspolitisch, aber auch in ganz anderer Weise ausgerichtete Websites. Hier wird allerdings der Besucherstrom geringer sein. In politischn Dingen lässt sich dies schon an der parteilichen Zusammensetzung des deutschen Bundestags ablesen: die 'Mitte' überwiegt.

Die Websites, die ein breites Nutzerinteresse auf sich vereinigen können, werden herausstechen, da sie mehr Umsätze erzielen und so wiederum mehr werben können (kommerzielle Websites) oder durch 'Mundpropaganda' (nicht-kommerzielle Websites), auch in Form von E-Mails und anderen zwischenmenschlichen Online- wie Offline-Kommunikationsmitteln, bekannter sind als Websites, die qualitativ minderwertigere oder auch moralisch weniger akzeptierte Inhalte bieten.

Man verlässt sich hier auch zu einem Großteil auf das Gute im Menschen. Also darauf, dass es eine Mehrheit von Menschen gibt, die guten Herzens sind, für ihre eigene Meinung und die Entfaltung des eigenen Wesens eintreten und gleichzeitig andere Meinungen und Menschen respektieren. Nur so kann die Selbstregulierung funktionieren.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass eine solche Mehrheit existiert. Deshalb brauche und will ich keine Internet-Zensur. Diese Überzeugung erwarte ich übrigens auch von unseren vom Volk gewählten Politikern.




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Kommentare



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    O-Töne: Die Wahrheit aus Düsseldorf
    Siehe auch: Assoziations-Blaster zum Thema Informationsfreiheit
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